Achtsamkeit

Achtsamkeit im spirituellen Sinne des Buddhismus[1]

„Achtsamkeit“ im buddhistischen Sinne ist eine Aufmerksamkeit, die den gegenwärtigen Moment, ohne Bewertung oder Identifizierung mit eben diesem, wahrnimmt. Besonders wichtig ist hierbei, dass von jeglichen Urteilen oder Interpretationen des Erfahrenen Abstands genommen wird. Die Praxis dieser Achtsamkeit hat eine Tradition, die zu den Lehren des Buddhas vor 2500 Jahren zurückreicht. Nicht nur, dass die Praxis auch in anderen spirituellen Lehren Beachtung findet, sie hat sich auch im Buddhismus bis zur Gegenwart in viele verschiedene Richtungen oder „Schulen“, wie z.B. den Theravada, Zen oder Vayrayana[2], entwickelt.  Zu beachten ist deshalb hier, dass Achtsamkeit zwar das Kernstück des Buddhismus und für alle Arten der buddhistischen Meditation von Bedeutung ist, dass die unterschiedlichen Traditionen aber auch ein unterschiedliches Verständnis von Achtsamkeit haben (Vgl. Kabat-Zinn 2009: 109).

Zum Beispiel wird sie zum Einen als „Eigenschaft, die es zu kultivieren und entwickeln gilt“ (Rose/ Walach 2009: 29) und zum Anderen als “Aspekt der uns innewohnenden Natur des Geistes“ (Rose/ Walach 2009: 29) gesehen. Dabei unterscheidet sich eine Achtsamkeit, um die sich immer neu bemüht werden muss, von einem Zustand des Geistes, der in grundlegender Wachheit alles in solcher Klarheit wie der eines Spiegels reflektiert (Vgl. ebd.: 30).

Zum besseren Verständnis kann man auch genauer auf die Übersetzung des Wortes „Sati“- das Wort, das aus den buddhistischen Schriften in Pali als „Achtsamkeit“ übersetzt wird- schauen. Man kann es nämlich auch übersetzen mit den Worten „Besinnung“ oder „Erinnerung“, wobei noch einmal deutlich wird, dass die Wichtigkeit in dem konsequenten Besinnen auf das Hier und Jetzt, im gegenwärtigen Moment und gegenüber den auf einen zukommenden Erfahrungen, liegt (Vgl. ebd.: 33.). Nach den Reden des Buddha (explizit der „Rede von den Grundlagen der Achtsamkeit“, Satipatthana Sutta) kann Achtsamkeit weiterhin in verschiedene Bereiche eingeteilt werden, die den Körper (Beobachtung des Atems und der Körperempfindungen), Empfindungen (im Sinne von Gefühlsqualitäten oder -färbungen), den Geist (der außer geistig- intellektuellen Zuständen auch Emotionen, Gefühle und Stimmungen einschließt) und Geistesobjekte (beinhaltet auch die Grundhaltung der Lehre) umfassen (Vgl. ebd.: 33 ff.).

Bei dieser auch nur kurzen Betrachtung des Verständnisses von Achtsamkeit im Buddhismus wird schon deutlich, dass es ein viel tiefgreifenderes und weitläufigeres Verstehen des Wortes gibt, als das bloße „Aufmerksam-Sein“. Achtsamkeit wird auf vielfältige Weise und auf den eben beschriebenen unterschiedlichen Ebenen praktiziert. Es ist der Weg zum Ziel, als auch das Ziel selber, welches der Buddha im, wie Rose und Walach es schrieben, „unbedingten Glück“ sah, das ein Zustand des Freiseins von Anhaftung, der Wertschätzung des Augenblicks und des bedingungsloses Mitgefühl für alle bedeutet (Vgl. ebd.: 38).

 

[1] Ausschnitt einer Hausarbeit von Lynn Klinger

[2] „Theravada“  hat sich in Südostasien und Sri Lanka verbreitet, „Zen“ findet man vor allem in China und Japan, während „Vayrayana“ eine der Richtungen der tibetischen Lehre ist.

-Kabat- Zinn, Jon: „Achtsamkeitsbasierte Interventionen im Kontext: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ in Heidenreich, Thomas; Michalak, Johannes (Hrsg.): Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. Ein Handbuch, Tübingen 2009, dgvt-Verlag, 3. Auflage, S. 103- 139

-Rose, Nina; Walach, Harald: „Die historischen Wurzeln der Achtsamkeitsmeditation- ein Exkurs in Buddhismus und christliche Mystik“ in: Heidenreich, Thomas; Michalak, Johannes (Hrsg.): Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. Ein Handbuch, Tübingen 2009, dgvt-Verlag, 3. Auflage, S. 27-48